Dissertationsprojekt: EU-Umweltnormen und urbane Mobilitätstransformationen

EU-Umweltnormen und urbane Mobilitätstransformationen –
normen- und gerechtigkeitstheoretische Perspektiven

 

Doktorand: Nils Stockmann

 

  • Forschungsfrage: Wie werden EU-Umweltnormen in urbanen Mobilitätstransformationen übersetzt? Welche Rolle spielt die „Aufführung“ von Normen mit Bezug auf Gerechtigkeit und Anerkennung?
  • Theorie: Konstruktivistische und poststrukturalistische Normentheorie; Anerkennungstheorie („Recognition as Justice“)
  • Methoden: Qualitative Analysen von Interviews und Dokumenten (inhalts- und diskursanalytisch); Konstellationsanalyse

 

EU-Umweltnormen bilden einen zentralen Bezugspunkt für urbane Mobilitätstransformationen. Kollisionen mit lokalen Gewohnheiten, Wahrnehmungen und Identitäten führen zu vielschichtigen Gerechtigkeitskonflikten, die die Umsetzung nachhaltiger Veränderungen hindern. Andererseits können Synergien von Umweltnormen mit urbanen Bewegungen und Narrativen aber auch zu nachhaltigem Wandel beitragen. Trotz dieser ambivalenten Mechanismen wurden Übersetzungsprozesse von EU-Umweltnormen bisher nicht aus einer Perspektive betrachtet, die einen Zugang zu diskursiven und performativen Voraussetzungen zu diesen Prozessen ermöglicht.

 

Das geplante Dissertationsprojekt setzt an diesem Puzzle an und nutzt das theoretische Konzept der Normübersetzung, um das Zusammenspiel und die Auseinandersetzung von EU-Umweltnormen und urbanen Mobilitätstransformationen besser zu verstehen. Dabei wird das Konzept um die Dimension einer Normaufführung (norm performance) erweitert, um die performative Gestalt sowohl von Gerechtigkeitskonflikten als auch von transformativen Kapazitäten einzuschließen und untersuchbar zu machen.

 

Zur Anwendung dieses theoretischen Rahmens werden mit Hilfe von Konstellationsanalysen verschiedene urbane Arenen im Kontext von zwei bis drei europäischen Städten herausgearbeitet, in denen die Übersetzung von EU-Umweltnormen mit Blick auf Mobilitätstransformationen empirisch untersucht werden soll. Nachdem der für die Untersuchung relevante Gehalt der Normen in einem inhaltsanalytischen Verfahren herausgearbeitet wurde, wird dieser dann als Ausgangspunkt für die ebenfalls qualitativ-interpretative empirische Arbeit innerhalb der untersuchten Fälle genutzt. In diesem Schritt werden leitfadengestützte (Gruppen-)Interviews mit Dokumentenanalysen und konextuellen Beobachtungen verbunden.

 

Im Ergebnis soll die Dissertation zu einem besseren Verständnis der Interaktion von EU-Umweltnormen und lokalen Mobilitätstransformationen beitragen. Sie leistet damit einen theoretischen wie auch einen praktischen Beitrag zur Umsetzung nachhaltigen Wandels und zeigt Potenziale zur Besseren Einbeziehung und Anerkennung innerhalb von Übersetzungsprozessen auf.