Dissertationsprojekt: Wissensproduktion für die Radverkehrsförderung in Städten

Zwischen fossilen Realitäten und post-fossilen Möglichkeiten – Die Produktion und

Vermittlung von Wissen für die nachhaltige Transformation urbaner

Personenmobilität am Beispiel Radverkehr

 

Doktorandin: Berenike Feldhoff

 

  • Forschungsfrage: Wie muss Wissensproduktion gestaltet werden, um eine nachhaltige Transformation urbaner Personenmobilität durch eine stärkere Radverkehrsförderung voranzutreiben?
  • Theorie: Science and Technology Studies (STS), Formen der Wissensproduktion
  • Methoden: Qualitative Inhaltsanalyse mit diskursanalytischen Elementen, Interviews

 

Abstract:

Der moderne Verkehr und die damit verbundenen Emissionen (CO2, Lärm, Stickoxide), Energieverbräuche und planerischen Herausforderungen (Staus, Flächenversiegelung) stellen eine enorme Belastung für Städte dar. In Anbetracht dieser Herausforderungen kommt der Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf andere, klimaschonende Verkehrsmittel eine besondere Relevanz zu. Der Radverkehr birgt in diesem Zusammenhang große Potenziale, weshalb die städtische Radverkehrsförderung zentraler Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein wird. Obwohl das Wissen über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Transformation des urbanen Verkehrssystems sowie unzählige Konzepte einer nachhaltigen Stadt- und Verkehrsentwicklung vorhanden sind, mangelt es bislang an einer flächendeckenden und tiefgreifenden Umsetzung nachhaltiger Mobilität. Das vorhandene Wissen scheint nicht bei den Menschen anzukommen. Deshalb fragt das Promotionsprojekt, wie Wissensproduktion gestaltet werden muss, um eine nachhaltige Transformation urbaner Personenmobilität durch eine stärkere Radverkehrsförderung voranzutreiben. Ziel der Dissertation ist es, die Dynamiken von Wissensproduktion im nachhaltigen Mobilitätsbereich erklären und dadurch besser verstehen zu können. Außerdem sollen Wege identifiziert werden, um produziertes Wissen in der Praxis gezielter für die nachhaltige Radverkehrsförderung einzusetzen.

 

Das trilaterale Beziehungsgefüge Wissensproduktion, Nachhaltigkeit und (Rad)Verkehr soll in der Dissertation aus der Perspektive der Science and Technology Studies (STS) betrachtet werden, die sich der empirischen Untersuchung des alltäglichen Zusammenspiels von Wissenschaft, Technologie und gesellschaftlicher Ordnung widmen. Als theoretische Grundlage der Untersuchung dienen die den STS zurechenbaren „neuen Formen der Wissensproduktion“ (Modus 2, die Helix-Modelle und das Konzept der Ko-Produktion). In all diesen Ansätzen kommt neben der Wissenschaft auch anderen gesellschaftlichen Akteuren (z.B. Politik, Wirtschaft, NGOs, Öffentlichkeit) eine wichtige Rolle in Prozessen der Wissensproduktion zu. Die Ansätze eignen sich für die angestrebte Untersuchung, weil sie im besonderen Maße erklären können, wie Wissensproduktion in politische Entscheidungsprozesse oder Governanceprozesse im weiteren Sinne integriert wird, und umgekehrt, wie Governanceprozesse Wissensproduktion beeinflussen.

 

Methodisch verfolgt die vorliegende Arbeit einen qualitativen Ansatz. Der sogenannten crucial case-Logik folgend soll die Stadt Kopenhagen, die eine Vorreiterrolle bei der Förderung des städtischen Radverkehrs einnimmt, als empirisches Fallbeispiel fungieren. Für die empirische Analyse wird zunächst ein Textkorpus, bestehend aus Dokumenten und Leitfadeninterviews, zusammengestellt, der mithilfe inhalts- und diskursanalytischer Methoden analysiert wird. Am Fall Kopenhagen sollen Prozesse der Wissensproduktion für die Radverkehrsförderung untersucht werden. Es gilt, innovative Formen der Wissensproduktion sowie deren Charakteristika und Erfolgsfaktoren zu identifizieren.