Masterarbeit: Übersetzungen der EU-Luftqualitätsnorm 2008/50

Übersetzung der EU-Luftqualitätsnorm 2008/50: Effekte für urbane Mobilität unter

Berücksichtigung von Umweltgerechtigkeit

 

Masterand: Nils Stockmann

 

  • Forschungsfrage: Wie wird die EU-Luftqualitätsnorm 2008/50 in verschiedenen lokalen Kontexten übersetzt? Welche Gerechtigkeitseffekte entstehen mit Blick auf urbane Mobilität?
  • Theorie: Konstruktivistische Normentheorie, Umweltgerechtigkeit, Anerkennungstheorie
  • Methoden: Einzelfallstudien auf der Grundlage qualitativer Inhaltsanalysen von lokalen Aktionsplänen und Beteiligungsprozessen

 

Abstract:

Die Umsetzung der EU-Luftqualitätsnorm 2008/50 erweist sich als eine der drängendsten Herausforderungen für die EU-Mitgliedstaaten, vor allem aber auch für einzelne urbane Regionen. Neben offensichtlichen Fragen der Durchsetzbarkeit und Effizienz von Regulierungen ist auch das Thema Umwelt(un)gerechtigkeit dringend näher zu betrachten. Während die EU-Norm selbst auf Ungerechtigkeiten reagiert, so sind auf der anderen Seite auch mögliche Strategien zu ihrer Durchsetzung vor diesem Hintergrund anzufragen und die ‚Übersetzung‘ des Umweltgerechtigkeitsbegriffs in lokalen bzw. urbanen Aktionsplänen und Strategien zu prüfen. Der Bereich Mobilität sticht dabei aufgrund der engen Verknüpfungen zum Feld der Luftqualität heraus. Das Qualifikationsprojekt nimmt in drei Einzelfallstudien – Hamburg, Brüssel und Glasgow –  die Übersetzungsprozesse in verschiedenen europäischen Städten in den Blick, um Herausforderungen, Dynamiken und good-practice Beispiele in der Sichtbarkeit von Umweltgerechtigkeit zu identifizieren. Hierzu werden sowohl lokale Diskurse als auch Praktiken inhaltsanalytisch analysiert und gegenübergestellt.

 

Das Qualifizierungsprojekt schließt damit an folgende Themenkomplexe an:

 

Übersetzungen von Normen als Konzept der konstruktivistischen Normenforschung. Nach diesem Verständnis diffundieren Normen, verstanden als explizite Gesetze oder Regelungen ebenso wie als implizite Werte und Gewohnheiten, nicht mehr nur in eine Richtung, sondern werden durch andere Ebenen aktiv ‚übersetzt‘, d.h. kontextualisiert und aus dem Diskurs in eine Praxis überführt.

 

Umweltgerechtigkeit als Gegenstand von lokalen / regionalen Konflikten, hier im Bereich von Luftreinhalte- und Mobilitätspolitiken. Es werden die distributive als auch die prozessorale Dimension von Umweltgerechtigkeit betrachtet – neben Fragen gerechter Verteilung geht es damit auch um ‚Verfahrensgerechtigkeit‘, also inwieweit lokale Strategien und Transformationsprozesse in sich gerecht sind.

 

Mehrebenen-Governance in der EU-Umweltpolitik; Das Qualifizierungsprojekt leistet einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der Übersetzung von EU-Umweltnormen in die einzelnen Kontexte der Mitgliedstaaten und in einzelne lokale / regionale Räumen in diesen. Es stellt in Frage, inwieweit EU-Normen für eine ‚gute‘ Übersetzung geeignet sind und welche Mechanismen auf den verschiedenen Ebenen diesen Prozess beeinflussen.

 

Urbane Konflikte und Protest; Wenngleich nicht im Zentrum des Projektes werden kritische Theorien zur raumsoziologischen und anerkennungstheoretischen Bedeutung urbaner Mobilität aufgenommen. Hier nimmt das Projekt eine erste Perspektivierung vor, an die weitere Forschung anschließen soll.