Dissertationsprojekt: Urban Governance und Digitalisierung

Veränderungen in der digitalen Stadt und darauf bezogener Governance-

Arrangements – Analyse am Anwendungsfall neuer digital-gestützter

Mobilitätsangebote

 

Doktorandin: Nora Fanderl

 

  • Forschungsfrage: Wie sehen Governance-Arrangements aus, die im Zuge der Digitalisierung von Mobilitätsangeboten Veränderungen im Stadtraum bewirken?
  • Methoden: Plan- und Dokumentenanalyse, Qualitative Interviews, Kartierungen
  • Theorie: Governance-Analyse, Akteurzentrierter Institutionalismus

 

Abstract:

Digitalisierungsprozesse durchdringen derzeit auf vielfältige Art und Weise urbane Lebensbereiche und überlagern als neue technologische Schicht den städtischen Raum. Die permanente Verfügbarkeit von Daten und Wissen bringt dabei eine Vielzahl an Gestaltungsoptionen und damit neue Akteuren mit sich, die mit digitalen Dienstleistungsangeboten und intelligenten Technologielösungen Stadtraum bespielen. Digitalisierung und deren Integration in städtische Systeme ist entsprechend durch verschiedene Akteure und Interessenslagen geprägt, wobei Politik und Verwaltung durch digitale Lösungen städtische Mehrwerte wie Ressourceneffizienz und Lebensqualität anvisieren, digital-gestützten Entwicklungen für die Privatwirtschaft ein Einfallstor sind, sich Stadt als Markt zu erschließen.

 

Den Veränderungen in der digitalen Stadt und den darauf bezogenen Governance-Arrangements wird in der Forschungsarbeit mit dem Fokus auf die gestaltgebenden Akteure und Akteurskonstellationen nachgegangen. Dabei ist der Untersuchungsgegenstand auf digital-gestützte Entwicklungen im Mobilitätssektor eingegrenzt, wo die Digitalisierung neue Mobilitätsangebote und damit neue Akteure wie Uber oder Car2Go hervorgebracht hat, welche die Mobilitätsysteme der Stadt mitgestalten. Integrierte Datenmanagement-Plattformen, Echtzeitdaten-Verfügbarkeit und User-Interfaces ermöglichen Sharing-Angebote, on-demand Mobilitätsangebote, sowie neue Mobilitäts-Konzepte ebnen damit die Entwicklung von Mobilität zu einem Dienstleistungssystem heterogener Mobilitätsanbieter.

 

Räumliche Veränderungen lassen sich derzeit an städtebaulichen Komponenten, z.B. Carsharing-Parkplätzen verschiedener Anbieter oder Ladeinfrastrukturen, ablesen. Welche stadtstrukturellen Veränderungen sich möglicherweise zukünftig ergeben werden, etwa die Auf- oder Abwertung von Lagen in Folge flexibler Mobilitätsangebote, die soziale Differenzierung von Teilräumen durch ungleich verteilte Angebote oder die Veränderung von Flächenbedarfen, wird voraussichtlich durch das Handeln heterogener Akteure beeinflusst.

 

Um diese sich neu herausbildenden Governance-Arrangements zu untersuchen, die im Zuge der Digitalisierung von Mobilitätsangeboten Veränderungen im Stadtraum bewirken, werden in der Forschungsarbeit in den Städten Stuttgart und Portland (Oregon/ USA) die Entwicklung digital-gestützter Mobilitätsdienstleistungssysteme entlang der gestaltgebenden Akteurskonstellationen, ihrer Interaktionen und Raumbezüge betrachtet. Anleitende Fragestellung ist hierbei folgende:

 

Wie sehen Governance-Arrangements aus, die im Zuge der Digitalisierung von Mobilitätsangeboten Veränderungen im Stadtraum bewirken?

 

Zur Beantwortung der Fragestellung stellt das Governance-Konzept als Analyseperspektive den übergreifenden theoretischen Rahmen, innerhalb dessen das analytische Modell des akteurzentrierten Institutionalismus nach Mayntz und Scharpf angewendet wird, um Akteure und Akteurskonstellationen zu untersuchen, die stadträumliche Entwicklungen direkt und indirekt beeinflussen. Dabei stellt sich insbesondere die Frage nach den Anforderungen, die sich aus diesen Governance-Arrangements an den Stadtraum und entsprechend auf die Planungspraxis bei der Gestaltung von Stadtraum ergeben.