Antonia Graf kommentiert „Ex Machina“

Für die Reihe „Politik im Film“ des Fördervereins des Instituts für Politikwissenschaft der WWU Münster hat Nachwuchsgruppenleiterin Antonia Graf kürzlich den Film Ex Machina (UK, 2015) kommentiert. Laut Graf zeige der Film eine spannende Konfrontation von Technikforschung einerseits und der Thematisierung von kritischen Genderfragen andererseits.

 

In Ex Machina erzählt Regisseur und Autor Alex Garland die Geschichte des Programmierers Caleb, der in einer Lotterie augenscheinlich ein Treffen mit seinem Chef, dem Firmengründer des Internetkonzerns Bluebook, Nathan, gewinnt. Im abgelegenen Domizil Nathans angekommen, merkt Caleb aber bald, dass es bei dem Treffen weniger um ein Kennenlernen des jungen Mitarbeitenden und seines exentrischen Chefes, sondern vielmehr um die Erprobung einer neuen Entwicklung Nathans geht: Einer künstlichen Intelligenz (KI) mit dem Namen Ava. Caleb soll Ava einem Turing-Test unterziehen, also prüfen, ob die Maschine ihm, dem Menschen, kognitiv ebenbürtig ist. Für Caleb beginnt mit der ersten Begegnung mit Ava ein unausweichbarer Prozess, an dessen Ende, so viel sei hier verraten, keine hoffnungsvolle Skizze eines zukünftigen Techniktriumphes, sondern eher ein dystopischer Blick in Fragen menschlicher Emotionen, Zwänge und Begehrlichkeiten steht.

 

Diese und weitere Fragen wurden von Antonia Graf in einem einführenden Vortrag diskutiert: Sie entschied sich, den Film nicht etwa aus der naheliegenden Perspektive von Unternehmensmacht und „Datensammelwut“ zu betrachten, sondern wählte stattdessen einen Zugang aus einer ethisch-kritischen Perspektive, mit dem sie vor allem die immerwährende Frage des Machtverhältnisses zwischen Mensch und Maschiene und die damit verbundene Konstruktion von Geschlechterrollen am Beispiel von Ava hinterfragte.Der Zuschauer wird bei Ex Machina laut Graf Zeuge einer immer weitergehenden „Frauwerdung“ Avas, vom größtenteils transparenten, wohl aber „nackten“ Technikwesen mit augenscheinlich weiblichen Zügen, über Kleidung, bis hin zum Anlegen einer menschlichen Haut. Während ihr Name, die Verbindung aus den biblischen Figuren Adam und Eva auf die augenscheinliche Enthobenheit der KI von Geschlechtlichkeit rekurriert, so ist es doch die Weiblichkeit und immer explizierter werdende Sexualität Adas, die im Ende zum zerstörerischen Potenzial wird und die Frage aufwirft, ob, wie Erfinder Nathan meint, diese Sexualität wirklich der Schlüssel zum Mensch-Sein ist. Diese Beobachtungen ordnete Antonia Graf vor dem Hintergrund einer immer  schneller wachsenden Relevanz von KI im öffentlichen wie im privaten Leben ein und skizzierte dabei einige drängende ethische Fragen im Umgang mit Maschinenwesen.

 

In der Reihe „Politik im Film“ werden in diesem Semester noch einige weitere Filme gezeigt und von Lehrenden des Instituts für Politikwissenschaft kommentiert. Weitere Informationen finden Sie hier.